Erfahren Sie mehr über uns, den Stil und die Stilgründer

Tai Chi (Chuan)* Stile

Es heißt offiziell, es gebe fünf verschiedene Tai Chi – Stile,

mit unterschiedlichem Bekanntheitsgrad (in absteigender Reihenfolge: Yang, Chen, Wu, Sun

und ein anders ausgesprochenes Wu).

 

Tatsächlich gibt es aber von diesen Stilen weitere Abwandlungen mit eigenen Namen.

Unterscheiden tun sich die Stile in der Art und Weise, wie sie gelernt und ausgeübt werden.

Jeder hat so seine Besonderheiten, und der Kenner kann an der Art der Bewegung erkennen,

welchen Stil er da vor sich hat.

 

Ich persönlich unterscheide nicht so sehr zwischen den Stilen als dazwischen,

ob ein Stil “Tai Chi” drin hat, was sehr selten ist, oder nicht. Tai Chi “drin” zu haben heißt,

dass sich die gesamte Lehre an den Klassikern des Tai Chi orientiert und den daran

beschriebenen Prinzipien wie bspw. Weichheit und Mühelosigkeit in der Bewegung,

Transformation von hart zu weich und umgekehrt,

Benutzung innerer Energie (qi) statt roher Muskelkraft (li), und vieles mehr.

 

 

 

Der “Ma Tsun Kuen” – Stil

Der Ma Tsun Kuen Stil wurde von Meister Fernando Chédel so genannt.
Ma Tsun Kuen ist der Name des Chinesischen Tai Chi Chuan Lehrers von Meister Chédel.

Dieser sei laut Meister Chédel bereits ein renommierter Kampfkünstler in den 50er Jahren gewesen, bevor er dann einen taoistischen Mönch und Tai Chi -Meister kennen gelernt habe, der ihn in die Geheimnisse des Tai Chi Chuans eingeweiht habe.


Das Besondere am Stil wird einem wohl am ehesten bewusst, wenn man bereits verschiedene Stile verglichen hat.


Am Anfang wird es eher schwer fallen, die Unterschiede zwischen dem Ma Tsun-Kuen Stil und (so gut wie) allen anderen Stilen zu sehen. Aber es gibt sie, und sie sind (leider) gewaltig.


Ich selbst habe 20 Jahre lang einen Tai Chi Stil trainiert, der sehr berühmt ist (Yang-Stil) und dachte, das sei Tai Chi. Aber dann traf ich Meister Chédel und wurde eines besseren belehrt. Danach öffneten sich meine Augen und ich begann, die Tai Chi Welt genauer zu sehen.

 

Was ich sah, war vor allem:

– Die meisten Schulen unterrichten oftmals nur Formen (Choreografien), meine damalige im Übrigen auch

– Die Formen sind an Ästhetik und Athletik orientiert, nicht an Funktionalität oder Effektivität

– Der Aspekt der Gesundheit wird zwar in den Worten stets betont, existiert aber eigentlich kaum wirklich

– Diejenigen wenigen Schulen, die Tai Chi Anwendungen bzw. Tai Chi Kampfkunst zu unterrichten behaupten (Das “Chuan” in Tai Chi Chuan weist auf den Kampfkunstaspekt hin, es bedeutet übersetzt “Faust”), unterrichten entweder langsames und schlechtes Kung Fu, eine Art Ringen, eine Art Kuschel-Tai Chi oder eine Art Tai Chi, die sich zwar bemüht, die Prinzipien, die in den Klassikern beschrieben werden umzusetzen, aufgrund fehlenden Wissens aber nur in geringem Maße oder überhaupt nicht berücksichtigt.

Im Ma Tsun Kuen Stil wurde mir klar, was Tai Chi Chuan eigentlich sein kann und wie es irgendwann einmal vermutlich konzipiert war – offensichtlich ein verschollener Schatz!

 

Hier sah ich, dass Tai Chi Chuan eigentlich

– Form und Funktion vereinen muss, d.h. die Bewegungen nur dann eine Relevanz haben, wenn man sie in der Anwendung erforschen und begreifen kann

– hauptsächlich bedeutet zu lernen loszulassen

– auch bedeutet, angstfrei berührbar zu werden und zu lernen andere zu berühren (ohne sie wegzustoßen, zu manipulieren, zu kontrollieren o.ä.)

– aus mühelosen Bewegungen besteht, die auch unter Druck von außen noch mühelos bleiben müssen und können

– genau deshalb so gesund ist und der Gesundheitsaspekt umso effektiver wird, je mehr man diese Mühelosigkeit unter Druck erleben und beibehalten kann

– genau deshalb so wahnsinnig schwierig ist
– ein wirklicher Schatz ist, der die eigene Entwicklung in beinahe allen Bereichen möglich macht: körperlich (gesundend), psychisch (harmonisierend), emotional (reifend), sozial (verbindend), spirituell (bereichernd)

Das Interessante ist, dass der Ma Tsun Kuen Stil seine Wurzeln im Yang-Stil hat, da Meister Ma diesen erlernt hat, um dessen “Gefäße” zu benutzen, um die Tai Chi “Essenz” des taoistischen Mönchs dort hinein zu füllen.

Beide Stile haben sich seit der Kulturrevolution unter Mao in den 60er/70er Jahren allerdings derart voneinander entfernt, dass man die Ähnlichkeit nur noch erahnen kann.

Meister Ma war noch “von der alten Schule”, ein Gegner Maos, der nach dem verlorenen Krieg ins Exil fliehen musste.


Er und sein Tai Chi mussten daher auch nicht die weichwaschenden Veränderungen der Kommunistischen Partei erleiden, wie es seitdem fast überall in China zu sehen ist.


Ist aber ein langes Thema. Am Besten man taucht ein und überzeugt sich selbst!


Zum Glück gibt es bei mir keine Knebelverträge, so dass man jederzeit probieren (und zur Not jederzeit wieder gehen) kann.


*(“Tai Chi” und “Tai Chi Chuan” werden hier oft synonym verwendet. Eigentlich heißt die Kampf- und Bewegungskunst “Tai Chi Chuan”. “Tai Chi” ist eigentlich nur das Symbol mit Yin und Yang, das jeder kennt. Trotzdem sprechen hierzulande fast alle von Tai Chi, wenn Sie eigentlich Tai Chi Chuan meinen. Ich nehme es da nicht ganz so genau).

Der Großmeister

Ma Tsun-Kuen

Sehr viel ist über Meister Ma Tsun-Kuen (1908-1993) nicht bekannt. Nach den Erzählungen meines Meisters Fernando Chedel war Meister Ma wohl ein hochrangiger Militär (General) im damaligen Kampf von Chiang Kai-Shek gegen Mao Zedong (Stichwort Kultur Revolution). Meister Ma siedelte 1971 nach Buenos Aires/Argentinien über. Dort lebte er ein eher unauffälliges Leben, bis ein paar Kampfkunst–Interessierte ihn drängten, seine Kampfkunst zu unterrichten, darunter Fernando Chédel (siehe nächste Spalte). 

 

Meister Ma begann schon als Kind, externe Kampfkünste zu erlernen und trainierte viele Jahre lang hart in diesen Künsten. In den frühen 1940er Jahren traf er einen wandernden Taoisten, von dem er Tai Chi Chuan und andere taoistische innere Techniken lernte. Er hatte auch Kontakt zu anderen Tai Chi Chuan-Meistern: So war er zum Beispiel mit Cheng Man-Ching befreundet.

 

Für Meister Ma waren die philosophischen und Bewegungsprinzipien des Tai Chi am wichtigsten, nicht ein bestimmter Familienstil. Als er jedoch mit dem Unterrichten begann, beschloss er, die Formen des Yang-Stils als „Gefäß“ für diese Prinzipien zu verwenden, weil, wie er sagte, „die Formen und Techniken gut und bereits weit verbreitet sind“.

 

So ähneln die Formen des Ma Tsun-Kuen Tai Chi Chuan denen des Yang-Stils, werden aber oft mit anderen Übergängen oder Betonungen ausgeführt. 

Der Meister

Fernando Chèdel

Fernando Chédel wurde 1947 in Buenos Aires geboren und studierte Physik an der Universität von Buenos Aires, konnte das Studium jedoch aufgrund der damaligen politischen Probleme im Land nicht abschließen. Dank seines damaligen Karate-Lehrers Jorge Casella, einem erfahrenen Kämpfer, traf er 1973 auf Meister Ma Tsun Kuen. Jorge Casella schwärmte von Meister Ma´s Fähigkeiten und Fernando vertraute ihm. Schnell war Fernando von Ma´s Kunst und Qualität gefesselt; etwas daran schien unfassbar und unglaublich zu sein und gleichzeitig so natürlich und selbstverständlich. Es faszinierte ihn. Er wusste damals noch nicht, dass er Tai Chi Chuan machte, denn das Training hatte keinen Namen. Fernando wollte nur das lernen, was Meister Ma zu bieten hatte. Erst viele Jahre später erfuhr er, dass diese Sache, die er da übte, Tai Chi Chuan heißen sollte.

 

 

Fernando setzte dieses Training bis zu Meister Mas Tod 1993 intensiv fort. Fernando ist der designierte Linienhalter und änderte 1993 den Namen in Ma Tsun-Kuen Tai Chi Chuan zu Ehren seines Meisters. 

 

Seitdem trainiert, entwickelt und lehrt er seine Kunst weiter und unterrichtet regelmäßig in Argentinien, Spanien, Italien  Deutschland, Bulgarien und Frankreich. Mit Begeisterung bringt er dieses verinnerlichte Wissen denen nahe, die es kennen lernen wollen. Fernandos Verdienst ist es unter anderem, eine Methode des Unterrichts entwickelt zu haben, die für unseren westlichen Geist zugänglicher ist.

 

Seit 2005 lebt er in Spanien. Weitere Informationen finden Sie im Interview mit Fernando Chedel.

Der Lehrer

Alexander Tschöpe

Im Alter von 16 Jahren begann ich mit traditionellem Kung-Fu mit harten Anwendungen und Sparring. Ab 1993 lernte ich aufgrund von Knieproblemen zusätzlich Yang-Tai Chi

im Einzeltraining bei Meister Cheng Dong (Shanghai).

Später trainierte ich außerdem Boxen und MMA,

sowie chinesisches Wushu bei

einem Trainer der chinesischen Nationalmannschaft.

2006 lernte ich den Tai Chi-Meister Fernando Chédel kennen.

Sofort überzeugt, entschloss ich, mich ausschließlich seinem Ma Tsun-Kuen-Stil zu widmen – ein mitunter beschwerlicher, dafür aber immer wieder bereichernder Weg.

Inzwischen habe ich den 2. Duan erlangt, die höchste bisher existierende Auszeichnung in diesem Stil. Trotzdem komme ich mir oft wie ein blutiger Anfänger vor.


Für mich ist Tai Chi Chuan eine Philosophie, die im Gewand einer Kampfkunst daherkommt und die über den Körper Stück für Stück in uns hineinsickert. Dass sie als wunderbarer Nebeneffekt gesund macht bzw. erhält (und das nicht allein körperlich), begeistert mich ebenfalls.


Aus Dankbarkeit gegenüber Fernando und der Tradition

des Tai Chi Chuan habe ich mich entschlossen, das (wenige), was ich weiß, an Andere (die noch weniger wissen) weiterzugeben.


Durch meine Tätigkeit als Körpertherapeut in eigener Praxis (INFOhat sich mein Unterricht nochmals mehr auf die Beschwerden der einzelnen Teilnehmer fokussiert und mein Blick für die Zusammenhänge hat sich verfeinert.

Was ist das Besondere am Ma Tsun-Kuen (MTK) – Stil?

Bitte lesen Sie dazu die Erläuterungen auf unserer Schul-Seite,

sowie die Interviews mit Fernando Teil 1 und Teil 2.

 

Kurz gesagt ist MTK ein vollständiges Tai Chi-System, das heißt es besteht aus

 

  • Fundament-Übungen
    Standübungen für die körper-strukturelle Arbeit, die Balancierung und Integration der Körperteile durch Zentrierung, Entspannung und Körperachtsamkeit sowie die Verbindung des Geistes mit Innen und Außen
  •  
  • Qigong
    Atemübungen zur gezielten Steigerung und Lenkung des energetischen Flusses (Qi) im Körper sowie der Nutzbarmachung bislang unentdeckter oder inaktiver Atem- und Lungenbereiche
  •  
  • Tai Chi Tsao
    Ein festes Übungs-Set zum Kennenlernen, Verstehen und Vertiefen der Tai Chi – Prinzipien
  •  
  • Ma Tsun Kuen Formen
    Bewegungsabläufe / Choreografien als „Gefäße“, in die die Tai Chi Prinzipien einfließen
  •  
  • Partnerübungen (Tui Shou)
    zur Analyse der Formen und deren Einzelbewegungen, zur Wahrnehmung der von außen auf uns einwirkenden Kräfte und zum freien Spiel der in den anderen Übungen erforschten Prinzipien
  •  

Das vollständige Schulkurrikulum (Trainingsinhalte, Gurtprüfungen) findet sich HIER.

 

Für Ma Tsun Kuen Schüler besteht die Möglichkeit, regelmäßig Seminare in Deutschland und in anderen Ländern bei Meister Fernando Chedel zu besuchen, dem Nachfolger von Meister Ma Tsun-Kuen und Leiter der International Ma Tsun-Kuen Tai Chi Chuan School.

“Steptraum”

Industriestr. 41

79194 Gundelfingen

 

 

Jeden Freitag von 17:50 bis ca. 19:00 Uhr